MINT am MRG

 

Claudia Pittelkow: Tüfteln, rechnen, programmieren im Ganztagsgymnasium

 

Aus: https://www.ganztagsschulen.org/de/37150.php   Zugriff: 29.01.2020, 09:15 Uhr

 

 

 

Das Margaretha-Rothe-Gymnasium in Hamburg, als „MINT-freundliche Schule“ ausgezeichnet, begeistert Schülerinnen und Schüler für die MINT-Fächer – auch mit spannenden Ganztagsangeboten wie Roboter-, Computer- oder Technik-AGs.

 

MINT – diese vier Buchstaben stehen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Immer mehr Schulen vertiefen ihr Profil im MINT-Bereich, da diese Fächer als Grundlage zahlreicher moderner Berufsbilder von besonderer Bedeutung sind. Auch das Margaretha-Rothe-Gymnasium (MRG) in Hamburg-Barmbek setzt auf MINT und führt seine Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 an die Thematik heran. Im Rahmen des Ganztags können schon Fünft- und Sechstklässler in Roboter-, Computer-, Bienen- oder Technik-AGs ausprobieren, ob ihnen der Bereich liegt – oder ob sie sich in sportlichen oder musisch-künstlerischen Kursen besser aufgehoben fühlen. „Wir sind eine Schule voller Möglichkeiten, das ist unser Motto“, sagt Schulleiter Martin Plümpe.

Seit fünf Jahren leitet Plümpe das Gymnasium mit rund 800 Schülerinnen und Schülern, 60 Lehrkräften und einem offenen Ganztagsangebot. Neben einem breit aufgestellten Sprachprofil – Französisch und Latein bis zur Oberstufe, Spanisch ab Klasse 5 – ist der MINT-Bereich eine weitere Säule der Schule. „MINT-interessierte Schüler sind bei uns sehr gut aufgehoben und können ihre Interessen wahrnehmen“, betont er.


Engagiertes MINT-Team

Neben den mathematischen und technischen Ganztagsangeboten, die teilweise von älteren Schülern geleitet werden, gibt es die Mathewerkstatt, die „lüttIng“-Wettbewerbe, die Matheprofis in Klasse 7, zwei naturwissenschaftliche Profile in der Oberstufe und natürlich die Teilnahme an hochkarätigen Veranstaltungen und Wettbewerben wie Nacht der Mathematik, Känguru-Wettbewerb, Pangea, Städtewettbewerb oder Mathe- und Physikolympiade.

Die Schule leistet sich sogar einen eigenen MINT-Beauftragten: Guido Thamm, Diplom-Physiker und heute Lehrer für Physik und Mathe. Im Gespräch mit Thamm wird deutlich, wo das große Engagement der Schule in Sachen MINT herkommt: „Ich habe viele Jahre als Produktmanager in einem großen Technikunternehmen gearbeitet, wollte mich dann aber beruflich umorientieren“, erzählt er. „Vor zehn Jahren habe ich als Seiteneinsteiger angefangen zu unterrichten und bereue diesen Schritt bis heute nicht.“

Im Zuge dessen habe er auch Marion Böttcher kennengelernt, damals Mathe- und Physiklehrerin am Margaretha-Rothe-Gymnasium, und war von ihrem Einsatz tief beeindruckt. Mit Feuereifer und dem nötigen Know-how haben Thamm, Böttcher und weitere Kolleginnen und Kollegen den MINT-Bereich der Schule Stück für Stück ausgebaut. Marion Böttcher gehört heute immer noch zum MINT-Team der Schule, obwohl sie mittlerweile längst pensioniert ist.

 

Mädchen für Technik begeistern

„Das macht mir einfach Spaß“, sagt sie und berichtet begeistert vom dem Informatikprojekt für Mädchen „smile“, an dem sie zusammen mit 16 Schülerinnen drei Jahre lang mitgearbeitet hat. Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg ist Partner des smile-Projekts, das vom Bundesbildungsministerium gefördert wird und Schülerinnen aus der Sekundarstufe I für Informatik begeistern will, um so den Anteil von Frauen in der IT-Branche nachhaltig zu erhöhen.

Überhaupt: Mädchen für Technik zu begeistern, für MINT-Fächer, die immer noch eher eine Jungs-Domäne sind, das versucht man auch am Margaretha-Rothe-Gymnasium. So lernten beispielsweise in den lüttIng-Wettbewerben auch Mädchen das Löten, und beim Girls Day schnuppern sie verstärkt in technische Berufe hinein. Schulleiter Plümpe: „Wir wollen Schülerinnen nicht in MINT-Fächer drängen“, betont er, aber in der Summe sei die Mädchenquote gar nicht schlecht. Mara und Friederike, beide Klasse 8, nutzen das breite MINT-Angebot der Schule, um herauszufinden, wo es später mal hingehen soll. Mara ist noch in der Findungsphase. „Mich interessiert Technik sehr“, erzählt sie, „aber Sprachen mag ich auch.“

 

In der Roboter-AG baut Marion Böttcher mit Schülern und Schülerinnen gerade Roboterfiguren aus Legosteinen. „Die Vorstellung vieler Schüler ist, einen Roboter zu bauen, der dann irgendetwas können soll. Hier stellen sie dann fest: der kann gar nichts. In diesem Kurs können Schüler ohne Vorkenntnisse lernen, dass man Robotern erst etwas beibringen, sie programmieren muss.“ Michel und David, beide 14 Jahre alt, haben an der Entwicklung eines tierischen Experimentierkastens mitgewirkt und gelernt, den Mikrocontroller Arduino Uno zu programmieren. Ziel sei gewesen, Lernkästen für die jüngeren Schüler herzustellen.

 

Wettbewerbe und Begabtenförderung

David: „Wir wollten etwas für die Jüngeren bauen, mit dem sie Spaß an Technik entwickeln.“ Lehrer Guido Thamm erklärt, dass auf diese Weise jüngere Schülerinnen und Schüler über Peer-to-Peer-Schulungen durch ältere Schüler an MINT-Themen herangeführt werden. „Auf der nächsten MINT-Tagung wollen wir dieses Projekt anderen Schulen vorstellen“, so Thamm.

Zum MINT-affinen Kollegium gehört auch Jörg Alex, der als Quereinsteiger aus der Forschung an die Schule kam. Irgendwann lernte er Martin Plümpe kennen, der ihn prompt abwarb und als Lehrbeauftragten für Mathe, Chemie und Physik einstellte. Am MRG betreut Alex seitdem weite Teile der technischen Ausstattung, leitet AGs und bildet Kollegen fort. „Mit solchen Leuten lebt das Ganze“, freut sich Plümpe.

Zu den überzeugten „MINTariern“ zählt außerdem Carsten Reich, der nicht nur stellvertretender Schulleiter ist, sondern gleichzeitig Landesbeauftragter der Internationalen Physik-Olympiade, einem mehrstufigen Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler. Apropos Wettbewerb: Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums zeigen auch in anderen mathematisch-technisch-naturwissenschaftlichen Wettbewerben wie Jugend forscht, lüttIng oder Daniel Düsentrieb gerne, was sie drauf haben. Unterstützt werden sie dabei von den jeweiligen Fachlehrkräften und von Bianca Prohl, zuständig für Wettbewerbe und Begabtenförderung.

 

Mit MINT zum Traumberuf

Nicht ohne Stolz erzählt die Lehrerin von Kerrin Bielser, einer ehemaligen Schülerin des MRG und einem Ausnahme-Talent: Seit der sechsten Klasse wurde die Hamburgerin jedes Jahr Landessiegerin bei der Mathematik-Olympiade und vertrat Deutschland viele Jahre bei der Mitteleuropäischen Mathematik-Olympiade. Zuletzt sah man die junge Frau auf dem Cover eines Magazins, das für die Titelgeschichte begabte Abiturientinnen und Abiturienten auf der Suche nach ihrem Traumberuf begleitete. „Kerrin hat ganz viele unserer Schülerinnen und Schüler mitgezogen und für MINT begeistert“, erinnert sich Prohl. Heute studiert die 20-Jährige Mathematik.

MINT ist am Margaretha-Rothe-Gymnasium überall zu finden, nicht nur im Unterricht und in den Ganztagskursen, sondern auch in der Hausaufgabenhilfe nach Unterrichtsende, in der Mathematikwerkstatt in den Mittagspausen, im sogenannten Diagnosezyklus, in dem das Basiswissen der Jahrgänge 5 bis 9 individuell vertieft wird und beim jährlichen Mathewochenende, bei dem angehende Abiturienten sich auf die Abiturprüfungen vorbereiten können.

 

Außerdem gibt es in Klasse 7 eine zusätzliche Stunde Mathematik zu den vier regulären Mathestunden. Simon Bruskowski, Fachleiter Mathematik, erklärt: „In den Medien wird Mathematik immer noch oft als Problemfach dargestellt. Dies liegt auch daran, dass manche Schülerinnen und Schüler aufgeben, wenn sie das Gefühl haben, den Anschluss verpasst zu haben. Die zusätzliche Stunde in Jahrgang 7 ermöglicht uns ein Arbeiten in kleineren Lerngruppen. Dies wirkt sich positiv auf die Motivation und den Lernerfolg aus.“

Ende letzten Jahres hat sich die Schule erstmals um den Titel „MINT-freundliche Schule“ beworben, eine Auszeichnung unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz für Schulen mit besonderen Schwerpunktsetzungen im Bereich MINT. Das Margaretha-Rothe-Gymnasium wurde prompt ausgezeichnet. „Als ich die Bewerbungsunterlagen eingereicht habe, dachte ich noch, unsere Aktivitäten im MINT-Bereich seien Standard“, erinnert sich Guido Thamm lächelnd. Dass dem nicht so ist, macht unter anderem diese Auszeichnung deutlich.

 

 

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